Was wir zu schultern haben
Wir verwenden das Wort zuweilen fast inflationär. Aber ein „Trauma“ beschreibt dann doch etwas Entscheidendes, Prägendes für unser Zusammenleben. Die beiden ersten Filme der neuen Kirchen und Kino Staffel 2026/2027 versuchen Traumata zu bebildern und Wege abzuschreiten, wie Menschen sich dem stellen können
Der November-Film „Karla“ spielt in den Sechziger Jahren der Bundesrepublik und erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen, das aus seiner Familie davonläuft und den Vater wegen sexuellen Missbrauchs anzeigt. Ein älterer Richter nimmt sich zögernd des Kindes an und bereitet es auf den eigentlich aussichtslosen Prozess vor. Die Erzählung orientiert sich an einem realen Fall und wird inszeniert als stilles, eindringliches Drama über Sprachlosigkeit, Machtstrukturen und den Mut, sich gegen patriarchale Gewalt zu stellen. Der Film setzt auf Andeutungen, fragmentarische Rückblenden und symbolische Bilder. Dunkle Brauntöne, enge Räume und eine reduzierte Tonspur erzeugen eine beklemmende Atmosphäre, während wiederkehrende Motive wie Wasser, Atemgeräusche oder der Klang einer Stimmgabel Karlas Trauma sichtbar machen. Ein kraftvoller Film über Würde, Vertrauen und das schwierige Ringen um Wahrheit.


